· 5 Min. Lesezeit
Aktionstage: warum aus einem Kalendertag selten etwas wird
Weltgesundheitstag, Tag des Handwerks, Muttertag. Die meisten Betriebe posten ein Bild und haken das Thema ab. Was fehlt, ist der Tag danach.
Am 7. April ist Weltgesundheitstag. In den Tagen davor füllen sich die Kanäle mit Bildern von Apfelkörben und dem Wort „Gesundheit“ in großen Buchstaben. Am 8. April spricht niemand mehr darüber.
Das ist der Normalfall bei Aktionstagen, und deshalb halten viele Betriebe sie für Zeitverschwendung. Der Fehler liegt aber nicht am Tag. Er liegt daran, dass der Tag als Ziel behandelt wird statt als Anlass.
Was schiefgeht
Es gibt kein Ziel. Der Beitrag entsteht, weil das Datum im Kalender steht. Niemand hat vorher festgelegt, was danach anders sein soll. Ohne Ziel gibt es kein Ergebnis, nur einen Beitrag.
Der Anlass hat mit dem Betrieb nichts zu tun. Ein Elektrobetrieb, der zum Weltgesundheitstag ein Bild von Obst veröffentlicht, sagt über sich nichts aus. Der Beitrag könnte von jedem stammen.
Es passiert einmal und nie wieder. Der Aufwand fällt an einem Tag an, die Wirkung müsste über Wochen entstehen. Ein einzelner Beitrag hat dafür keine Zeit.
Es wird kopiert. Wer nachmacht, was andere posten, wirkt nicht wie ein Betrieb mit Haltung, sondern wie einer mit Redaktionsplan.
Die Frage, die vor dem Kalender kommt
Nicht: „Welcher Tag steht als Nächstes an?“ Sondern: „Worüber will ich in diesem Jahr sprechen?“
Ein Elektrobetrieb, der Personal sucht, spricht über Ausbildung und Arbeitsalltag. Ein Sanitärbetrieb, der Bäder saniert, spricht über Barrierefreiheit im Alter. Eine Praxis spricht über Vorsorge.
Erst danach schauen Sie in den Kalender und suchen die Tage, die zu Ihrem Thema passen. Für den Sanitärbetrieb ist das der Weltgesundheitstag, weil ein barrierefreies Bad ein Gesundheitsthema ist. Für den Elektrobetrieb ist es der Girls’ Day, weil dort Nachwuchs steht.
Der Tag ist dann kein Fremdkörper mehr, sondern eine Gelegenheit, ein Thema anzusprechen, das Sie ohnehin haben.
Aus einem Tag eine Reihe machen
Ein einzelner Beitrag verpufft. Eine Reihe wirkt. Der Unterschied liegt in der Planung davor und danach.
Sechs Wochen vorher: Thema festlegen, Aufhänger wählen, überlegen, was der Leser danach tun soll.
Zwei Wochen vorher: einen ersten Beitrag, der die Frage stellt, ohne den Tag zu erwähnen. Der Sanitärbetrieb zeigt eine bodengleiche Dusche und schreibt, warum Kunden zwischen sechzig und siebzig damit anfangen.
Am Tag selbst: der Hauptbeitrag mit dem Anlass. Etwas Eigenes, kein Symbolbild. Ein Foto aus dem Betrieb, ein abgeschlossener Auftrag, ein Mitarbeiter.
In der Woche danach: eine Nachfassung. Eine Frage aus den Kommentaren beantworten, ein zweites Beispiel zeigen.
Nach vier Wochen: nachsehen, was passiert ist. Anfragen? Profilaufrufe? Wenn nichts messbar ist, war es Beschäftigung.
Aus vier Beiträgen über sechs Wochen wird ein Thema, an das sich jemand erinnert. Aus einem Beitrag wird nichts.
Welche Tage sich für lokale Betriebe lohnen
Nicht die großen internationalen. Die kleinen mit Bezug zu Ihrer Arbeit oder zu Ihrem Ort.
Fachliche Tage: Tag des Handwerks, Tag der Zahngesundheit, Brandschutztag. Sie geben Ihnen fachlich etwas zu sagen.
Personaltage: Girls’ Day, Zukunftstag, Start des Ausbildungsjahres. Wer Leute sucht, hat hier den besten Anlass. Was dabei sichtbar werden muss, steht in Der Arbeitsplatz ist Ihr stärkstes Argument.
Örtliche Anlässe: Schützenfest, Stadtfest, Vereinsjubiläum, eine Baustelle in der Innenstadt. Diese schlagen jeden Welttag, weil Ihre Kunden tatsächlich darüber sprechen.
Jahreszeiten: der Übergang in die Heizperiode, der Beginn der Gartensaison, die ersten warmen Tage. Was daraus wird, steht in Frühjahr und in Nebensaison.
Drei bis vier Anlässe im Jahr, ordentlich gemacht, schlagen zwanzig, die nebenher mitlaufen.
Was Sie jetzt tun können
1. Ein Thema für die nächsten zwölf Monate festlegen. Eines, nicht fünf.
2. Drei Anlässe im Kalender suchen, die dazu passen.
3. Für jeden vier Termine eintragen: sechs Wochen vorher, zwei Wochen vorher, am Tag, eine Woche danach.
4. Für den ersten Anlass festlegen, was der Leser tun soll. Anrufen, Termin buchen, sich bewerben.
5. Nach vier Wochen nachsehen, ob etwas passiert ist.
Wo ich dabei helfe
Das Thema müssen Sie festlegen. Niemand von außen weiß besser als Sie, worüber Ihr Betrieb glaubwürdig sprechen kann.
Was ich übernehme, ist die Umsetzung: Anlässe auswählen, die vier Beiträge schreiben, Bilder aus Ihrem Betrieb aufbereiten, nach vier Wochen auswerten. Das gehört ab Stufe 4 zur Betreuung.
Fangen Sie mit dem Thema an, nicht mit dem Kalender. Wer zuerst in den Kalender schaut, landet beim Apfelkorb.